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· Betrieb & Sicherheit · aktualisiert am 13.10.2026

Die ersten Tage von Askurious (1/3): Drei Textdateien und ein Befragungswerkzeug am Mittag

Angefangen hat Askurious Ende September 2026 als konstruktives "Spin-Off" zu Philipps Projekt PULP. PULP demonstriert, dass eine ganze empirische Studie durch einem Sprachmodell unter Einbindung eines externen Panels (etwa Proflic) durchführt werden kann und die Forschenden dabei außen vor bleiben. Das Tool entwickelt zu einer kurzen Themenbeschreibung eigenständig ein Forschungsmodell, entwirft einen Fragebogen und verteilt diesen an menschliche Probanden über eine Programmierschnittstelle. Von Idee zu Paper in weniger als 60 Minuten. Wenn das geht, dann kann man bestimmt auch sinnvolle Fragebögen durch Forschende erstellen lassen.

Am Morgen des 26., um 10:16 Uhr, ging der erste Commit des Befragungswerkzeugs ein, das heute Askurious heißt.

Drei Dateien vor der ersten Zeile Code

Der erste Commit enthielt keinen Code, sondern drei Dateien: eine Liste der Designentscheidungen (decisions.md - bis heute gepflegt), ein wachsendes Protokoll (log.md — bis heute gepflegt) und eine Liste dessen, was ausdrücklich später kommt (bucketlist.md — bis heute gepflegt), damit man sich mit vielen guten Ideen nicht in Details verrent.

Die Entscheidungen dieses ersten Morgens lesen sich bis heute wie ein Pflichtenheft:

  • Anmeldung nur mit ORCID.
  • Teilnehmende sind standardmäßig anonym ("Privacy First"): keine IP-Adresse, kein Fingerprinting.
  • Eine laufende Befragung ist gesperrt: Tippfehler korrigieren ja, die Logik ändern nein.
  • Eine Befragung nutzt eine eingefrorene Kopie einer validierten Skala, damit spätere Änderungen im gemeinsamen Baukasten keine laufenden Studien verändern und Metaanalysen leicht ermöglicht werden.
  • Eine Struktur der Befragung, darüber beliebig viele Sprachen.

Nichts davon ist eine technische Entscheidung. Jede ist eine Entscheidung über Methodik oder Ethik, die ein Modell bereitwillig anders und durchaus plausibel treffen würde, wenn niemand sie aufschreibt. Die Liste für später hatte elf Einträge, darunter SPSS-Export, Erkennung von Durchklickenden, Quoten, Reliabilitätskennwerte und ein Abbild für die Präregistrierung. Mehrere davon waren innerhalb einer Woche erledigt, aber am ersten Tag hießen sie ausdrücklich: nicht jetzt.

M0 bis M6 vor halb drei

Was dann folgte, lässt sich kaum beschreiben, ohne wie Werbung zu klingen. Die Commits dieses Tages sind als Meilensteine nummeriert:

  • 10:42 Uhr, M0: ein Flask-Grundgerüst, lauffähig auf meinem privaten Webhosting.
  • 10:47 Uhr, M1: Anmeldung mit ORCID, Nutzerkonten, eine Startseite.
  • 11:03 Uhr, M2: Verwaltung der Befragungen mit mehreren Verantwortlichen und einem Ablauf, der Befragungen zum Enddatum schließt.
  • 11:57 Uhr, M3: der Fragebogen-Editor, die ersten Fragetypen, die Einwilligung, eine Vorschau.
  • 12:17 Uhr, M4: die Seite der Teilnehmenden und der Export.
  • 12:55 Uhr, M5: ein Ablauf mit Zufallsverteilung, Verzweigungen und Ausschlüssen.
  • 14:20 Uhr, M6: Conjoint-Aufgaben mit KI-Bildern in einheitlichem Stil.

Am Nachmittag kamen Schleifen (Loop & Merge), Testdaten, ein Einrichtungsassistent und der Export nach Zenodo dazu. Am Abend eine Datenbank mit einigen validierten Konstrukten mit Skalen aus GESIS und dem TAM sowie ein Live-Vergleich der eigenen Antworten mit der Stichprobe. Achtzehn Commits am ersten Tag. Ein schon ganz brauchbares Werkzeug.

Wie aus dem Prototyp ein Werkzeug wurde, steht in Teil 2.